Laura EP

›2019. Mitten in dem Haufen der 7,6 Milliarden sitzt eine Einzelne: Laura.‹

 

So beginnt diese aus 5 Tracks bestehende EP von Bernhard Moshammer. 

 

Kapitel 1 Enten

Kapitel 2 Roboter

Kapitel 3 Nazis

Kapitel 4 Akihiko

Kapitel 5 Laura

 

Produziert von Bernhard Moshammer

Text & Musik: Bernhard Moshammer

›Verschwiegene Liebe‹ Text: Joseph von Eichendorff / Musik: Hugo Wolf, 1889

Mastering: Mischa Janisch / Sunshine Mastering Vienna

Kamera / Schnitt: Flo Moshammer

Michael Masula als Laura

Dirk Nocker als Akihiko

 

Die Geschichte von Laura erzählt von Vereinsamung und Angst vor dem, was vor uns liegt. Der Informationskult des 21. Jahrhunderts, dem wir angehören, ob wir wollen oder nicht, behandelt das Zukünftige, also das Mögliche oder Wahrscheinliche, als faktische Logikübung. Dabei verheißt seine kreischende Prophetie nichts Gutes, verkündet er doch verlässlich den Kollaps, den finalen Untergang, Das Ende. Es ist immer 5 vor 12 auf der Uhr des Informationskults. Das war es Udo Jürgens zufolge zwar schon 1982, da sah er einen Wald, wo man jetzt einen Flugplatz baut und so weiter, aber aus irgendeinem Grund bewegte sich der Zeiger nicht weiter. Auch die kleine Laura hat damals geweint, als das große Waldsterben ausgerufen wurde. Nun sitzt sie hier, mitten im Wald, mitten im Dilemma unserer Tage. Der Kult ist mächtig, er agiert wie die Herrschenden - die Krise ist der Boden, auf welchem er wandelt. Er missbraucht den Hang des Menschen zur Selbstgeißelung und Selbstüberschätzung, tritt ungeniert in die Fußstapfen des religiösen Dogmatismus, den er zuvor schockiert von sich gewiesen hat. Inzwischen wird uns Stück für Stück die angeblich definitive Zukunft präsentiert, das Ende der Ressourcen, die allgemeine Digitalisierung, die künstliche Intelligenz, die konsequente Abschaffung der Arbeit, die fortschreitende Überwachung, die Vorzüge interplanetarer Reisen. Dinge, die kein Mensch will. Dinge, die den Alltag des Menschen und seine Bedürfnisse radikal ignorieren. Der Mensch des 21. Jahrhunderts ist kein Homo Novus, er will immer noch essen, lieben, sich fortpflanzen, arbeiten, einen Sinn finden. Ist das totalitäre chinesische Sozialkreditsystem ein Ausblick in unsere westliche Zukunft? Die von uns gewählten Mächtigen waschen ihre Hände in Unschuld und bereiten das System auf alles vor, als ob sie keine Wahl hätten. Der Individualismus sitzt auf der Anklagebank, die Wahl, das Richtige zu tun, Entwicklungen zu steuern, womöglich zum Wohle der Gemeinschaft, ja den Planeten zu retten, wird aber konsequent auf das Individuum abgewälzt - auf Laura, die immer stiller wird, obwohl die Kommunikationsmittel so vielfältig sind wie nie zuvor, die immer bewegungsunfähiger wird, obwohl sie überall hin kann, die von bislang ungekannten Freiheiten erdrückt wird und sich nicht beschweren darf, die immer einsamer wird, obwohl sie in der Großstadt lebt, die lange nichts mehr von ihrer besten Freundin gehört hat, dafür mit Schreckensbotschaften aus aller Welt bombardiert wird. Die weiß, dass sie falsch lebt, aber zu genau diesem Leben verdammt ist. Ist das nicht lustig? Nein.

 

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